ALBRECHT DÜRER - DIE APOKALYPSE (Apocalipsis cum figuris: Die Heimliche Offenbarung Johannes), um 1497/98
Holzschnitte, Format ca. 395×285 mm
Das Buch, das Dürers Namen mit einem Schlage in ganz Europa berühmt machte, war die 1498 erschienene Apokalypse des Johannes. Obwohl sich die wie ein Film abrollenden endzeitlichen Visionen der Schrift nur schwer in Bilder umsetzen lassen, hat man während des Mittelalters gerade diesen Text immer wieder illustriert. Auch der Buchdruck hatte sich schon frühzeitig im Rahmen der Bibelillustration mit dem apokalyptischen Thema auseinandergesetzt: um 1479 in der Kölner Bibel und 1483 in der Nürnberger Bibel. Auf den Holzschnitten zu diesen beiden Druckwerken baute Dürer seinen eigenen Illustrationszyklus auf. Aber aus den bescheidenen Vorbildern schuf er Darstellungen von so erregender Dramatik wie die Vier Reiter (Apok. 6, 1-8) und Johannes verschlingt das Buch (Apok. 10, 1-11). Für die Zeitgenossen, von denen ein großer Teil für das Jahr 1500 das Weltende erwartete, muß die Wirkung ungeheuerlich gewesen sein. Die von Dürer gefundenen bildlichen Formulierungen hatten etwas Endgültiges, dem sich kein späterer Illustrator ganz entziehen konnte. Den Text der lateinischen wie der deutschen Ausgabe druckte Dürers Pate Anton Koberger. Erstmals trägt jeder Holzschnitt der Folge Dürers bekanntes Monogramm.

Johannnes vor der Muttergottes

Titelblatt

 

Der lateinischen Ausgabe des Jahres 1511 war dieses Blatt mit der meisterhaften gotischen Schnörkelschrift beigegeben: Apocalipsis in figuris.

Unter dem Titel sitzt hinter einem Wolkenrand zwischen einem kleinen Adler und seinem Tintenfass Johannes mit dem Stift in der Hand und dem Buch auf dem Schoß. Er neigt das Haupt zur Seite und sieht etwas, er ist im Geiste, hebt die Linke. Was er im Geiste schaut, sehen wir hinter ihm: das Sonnenweib auf der Mondsichel mit der Sternenkrone auf dem Haupt. Sie hält den rundlichen Jesusknaben, der sich ihr anschmiegt. Johannes hat nach Meinung einiger Kunsthistoriker Dürers Züge. Fast also ein Selbstbildnis sieht der Zeichner den Seher.

Das Martyrium des heiligen Johannes

Vorsatzblatt

 


>>> Kernhandlung
 

Das Blatt schildert das Martyrium vor der lateinischen Pforte in Rom, das Tertullian bereits erwähnte.

Mit grimmigem Blick und leicht nach vorne gebeugtem Oberkörper verfolgt der unter einem Baldachin thronende Kaiser Domitian, hier als gealterter Sultan ausgestattet mit einem kabbalistischen Stein an seiner Halskette, das grausame Handwerk des Henkers und seines Helfers. Deutlich ist hier der Große Türke gemeint, der Feind der Christenheit. Ihm zu Füßen blickt ein geduckter Hund mit strubbeligem Fell den Betrachter knurrend und lauernd an, so als würde er die dargestellte Szene stören. Den Säbel abgeschnallt kauert der Henker am Boden und facht mit dem Blasebalg das Feuer unter dem Kessel an, in dem der Apostel das Martyrium betend und mit zum Himmel gerichtetem Blick über sich ergehen lässt. Der Gehilfe gießt mit einer Stielpfanne siedendes Öl über sein Haupt. Hinter der dicht gedrängt gaffenden Menge wird der Blick auf einen Platz freigegeben. Etwas befremdend erscheint in diesem süddeutschen Ensemble des Platzes der kleine venezianische Palast, vor dem die zu klein geratene Markussäule steht.

Johannes erblickt die sieben Leuchter

Blatt 1

 


>>> Symbole

In der erst Figur kniet Johannes überwältigt und mit gesenktem Blick im Kreis der sieben Leuchter vor Christus nieder (Kap. 2) und empfängt die sieben Sendschreiben. Der Menschensohn sitzt auf einem Regenbogen, die Füße mit Schuhen - nicht "glühend wie Kupfer im Feuer" - ruhen auf einem zweiten, kleinerem. Die dichten Quellwolken haben sich geteilt und geben hinter dem thronenden Christus eine Lichtöffnung frei. Von seinem Mund ragt ein doppelschneidiges Schwert drohend nach unten. Mahnend zeigt uns Christus mit seiner Linken ein aufgeschlagenes Missale, während um die gespreizte Hand seines ausgestreckten rechten Arms sieben funkelnde Sterne tanzen. Die prächtigen Leuchter, von denen sich keine zwei gleichen, tragen brennende und wohl zu kleine Kerzen. Ein von links ins Bild fauchender Windstoß lässt allein die linke Flamme ahnungsvoll erzittern und verweist auf den Zorn des Höchsten. 
Johannes vor Gott und den Ältesten

Blatt 2

 


>>> Gruppierung um den Thron

Dürer platzierte die Vision des Throns (Kap. 4) über einer friedvollen Landschaft. Eine spiegelglatte Meeresbucht - das "gläserne Meer" - liegt zwischen bewaldeten und mit Burgen und Kirchturmspitzen besäten Bergen. Eine fränkische Burg mit Fachwerkhaus, Zwinger und Zugbrücke liegt verschlafen an einem Teich.
Darüber wird die Vision durch einen steinernen Portalbogen mit weit geöffneten Himmelstüren sichtbar. Die himmlische Wolke wälzte sich schon einladend über die Schwelle dem Apostel entgegen. Johannes ist bereits, wie ihm eine Stimme wie eine Posaune befahl, heraufgestiegen und mit einem der Ältesten, der ihn tröstet, im Gespräch. Das Lamm - wie die anderen vier himmlischen Gestalten "voller Augen vorn und hinten" - springt mit den Vorderbeinen auf das Buch mit den noch geschlossenen sieben Siegeln, das in des Vaters Schoß liegt. Die vierundzwanzig Ältesten, von denen einige schon vor Gott niedergefallen sind und ihm demütig ihre goldenen Kronen überreichen, umrahmen den von einem Regenbogen umsäumten Thron, von dem allein hier Blitze, Stimmen und Donner nicht ausgehen, vielmehr vom ganzen Ensemble der himmlischen Macht. Vier frei über dem Thron hängende Ampel symbolisieren die sieben Fackeln, die sieben Geister Gottes. 
Die vier apokalyptischen Reiter

Blatt 3

 


>>> mehr

Die Öffnung der ersten vier Siegel bringt Tod und Verderben für die Menschen.
Die Eröffnung des sechsten Siegels

Blatt 4

Die Seelen unter dem Altar erhalten die weßen Gewänder; der Sternenregen und die Flucht in die Höhlen der Erde.
Die Engel bedrohen die vier Winde

Blatt 5

Die Engel bedrohen die vier Winde; das Kreuz als Zeichen des lebendigen Gottes erscheint am Himmel; die Auserwählten werden vom Engel an der Stirn bezeichnet (unten rechts kniet Dürer selbst).
Die Posaunenengel

Blatt 6

Die Austeilung der Posaunen; die ersten vier werden geblasen; der Engel wirft das Feuer aus dem Weihrauchfass; der Adler mit dem dreifachen "Weh" stürzt herab; zwei Händewerfen den brennenden Berg ins Meer; der Stern Wermut fällt auf einen Brunnen.
Die vier Euphratengel

Blatt 7

Die Euphratengel erschlagen die Bösen beim Ton der sechsten Posaune; die feuerspeienden Pferde erscheinen.
Johannes verschlingt das Buch

Blatt 8

Der Starke Engel reicht Johannes das Büchlein zum Essen.
Das Sonnenweib und der siebenköpfige Drache

Blatt 9

Das Sonnenweib und der Drache; das Kind wird zum Thron getragen; die Erde verschluckt das vom Drachen ausgespiene Wasser; der Drachenschwanz fegt die Sterne vom Himmel.
Michaels Kampf mit dem Drachen

Blatt 10

Michael und drei von seinen Engeln vertreiben den Drachen und dessen Rotte aus den Himmeln.
Der siebenköpfige Drache und das Tier mit den Lammshörnern

Blatt 11

Der Herr mit der Sichel für die Ernte; Anbetung der Bestien aus der erde und dem Meer.
Der Lobgesang der Auserwählten

Blatt 12

Die Große Schar mit Palmzweigen vor dem Thron des Lammes; der Älteste erklärt Johannes die Szene.
Die babylonische Hure

Blatt 13

Die Große Hure auf der Bestie wird von den Verführten angestaunt; der Mühlstein wird ins Meer geworfen; Babylon steht in Flammen, und zwischen den Wolken erscheint der Reiter mit seiner Gefolgschaft auf den weißen Pferden.
Der Engel mit dem Schlüssel zum Abgrund

Blatt 14

Satan wird im Abgrund eingeschlossen; der Engel zeigt Johannes die himmlische Stadt.