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Johannnes vor der Muttergottes
Titelblatt
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Der lateinischen Ausgabe des Jahres 1511 war
dieses Blatt mit der meisterhaften gotischen Schnörkelschrift beigegeben:
Apocalipsis in figuris.
Unter dem Titel sitzt hinter einem Wolkenrand zwischen einem kleinen
Adler und seinem Tintenfass Johannes mit dem Stift in der Hand und dem
Buch auf dem Schoß. Er neigt das Haupt zur Seite und sieht etwas, er ist
im Geiste, hebt die Linke. Was er im Geiste schaut, sehen wir hinter ihm:
das Sonnenweib auf der Mondsichel mit der Sternenkrone auf dem Haupt. Sie
hält den rundlichen Jesusknaben, der sich ihr anschmiegt. Johannes hat
nach Meinung einiger Kunsthistoriker Dürers Züge. Fast also ein
Selbstbildnis sieht der Zeichner den Seher. |
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Das Martyrium des heiligen Johannes
Vorsatzblatt
>>> Kernhandlung
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Das Blatt schildert das Martyrium vor der
lateinischen Pforte in Rom, das Tertullian bereits erwähnte.
Mit grimmigem Blick und leicht nach vorne gebeugtem Oberkörper
verfolgt der unter einem Baldachin thronende Kaiser Domitian, hier als
gealterter Sultan ausgestattet mit einem kabbalistischen Stein an seiner
Halskette, das grausame Handwerk des Henkers und seines Helfers. Deutlich
ist hier der Große Türke gemeint, der Feind der Christenheit. Ihm zu
Füßen blickt ein geduckter Hund mit strubbeligem Fell den Betrachter
knurrend und lauernd an, so als würde er die dargestellte Szene stören.
Den Säbel abgeschnallt kauert der Henker am Boden und facht mit dem
Blasebalg das Feuer unter dem Kessel an, in dem der Apostel das Martyrium
betend und mit zum Himmel gerichtetem Blick über sich ergehen lässt. Der
Gehilfe gießt mit einer Stielpfanne siedendes Öl über sein Haupt.
Hinter der dicht gedrängt gaffenden Menge wird der Blick auf einen Platz
freigegeben. Etwas befremdend erscheint in diesem süddeutschen Ensemble
des Platzes der kleine venezianische Palast, vor dem die zu klein geratene
Markussäule steht. |
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Johannes erblickt die sieben Leuchter
Blatt 1
>>> Symbole |
In der erst Figur kniet Johannes
überwältigt und mit gesenktem Blick im Kreis der sieben Leuchter vor
Christus nieder (Kap. 2) und empfängt die sieben Sendschreiben. Der Menschensohn sitzt auf einem Regenbogen, die Füße
mit Schuhen - nicht "glühend wie Kupfer im Feuer" - ruhen auf
einem zweiten, kleinerem. Die dichten Quellwolken haben sich geteilt und
geben hinter dem thronenden Christus eine Lichtöffnung frei. Von seinem
Mund ragt ein doppelschneidiges Schwert drohend nach unten. Mahnend zeigt
uns Christus mit seiner Linken ein aufgeschlagenes Missale, während um
die gespreizte Hand seines ausgestreckten rechten Arms sieben funkelnde
Sterne tanzen. Die prächtigen Leuchter, von denen sich keine zwei
gleichen, tragen brennende und wohl zu kleine Kerzen. Ein von links ins
Bild fauchender Windstoß lässt allein die linke Flamme ahnungsvoll
erzittern und verweist auf den Zorn des Höchsten. |
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Johannes vor Gott und den Ältesten
Blatt 2
>>> Gruppierung um den
Thron |
Dürer platzierte die Vision des Throns (Kap.
4) über einer friedvollen Landschaft. Eine spiegelglatte Meeresbucht -
das "gläserne Meer" - liegt zwischen bewaldeten und mit Burgen
und Kirchturmspitzen besäten Bergen. Eine fränkische Burg mit
Fachwerkhaus, Zwinger und Zugbrücke liegt verschlafen an einem Teich.
Darüber wird die Vision durch einen steinernen Portalbogen mit weit
geöffneten Himmelstüren sichtbar. Die himmlische Wolke wälzte sich
schon einladend über die Schwelle dem Apostel entgegen. Johannes ist
bereits, wie ihm eine Stimme wie eine Posaune befahl, heraufgestiegen und
mit einem der Ältesten, der ihn tröstet, im Gespräch. Das Lamm - wie
die anderen vier himmlischen Gestalten "voller Augen vorn und hinten"
- springt mit den Vorderbeinen auf das Buch mit den noch geschlossenen
sieben Siegeln, das in des Vaters Schoß liegt. Die vierundzwanzig
Ältesten, von denen einige schon vor Gott niedergefallen sind und ihm
demütig ihre goldenen Kronen überreichen, umrahmen den von einem
Regenbogen umsäumten Thron, von dem allein hier Blitze, Stimmen und
Donner nicht ausgehen, vielmehr vom ganzen Ensemble der himmlischen Macht.
Vier frei über dem Thron hängende Ampel symbolisieren die sieben
Fackeln, die sieben Geister Gottes. |
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Die vier apokalyptischen Reiter
Blatt 3
>>> mehr |
Die Öffnung der ersten vier Siegel bringt Tod
und Verderben für die Menschen. |
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Die Eröffnung des sechsten Siegels
Blatt 4 |
Die Seelen unter dem Altar erhalten die weßen
Gewänder; der Sternenregen und die Flucht in die Höhlen der Erde. |
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Die Engel bedrohen die vier
Winde
Blatt 5 |
Die Engel bedrohen die vier Winde; das Kreuz
als Zeichen des lebendigen Gottes erscheint am Himmel; die Auserwählten
werden vom Engel an der Stirn bezeichnet (unten rechts kniet Dürer
selbst). |
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Die Posaunenengel
Blatt 6 |
Die Austeilung der Posaunen; die ersten vier
werden geblasen; der Engel wirft das Feuer aus dem Weihrauchfass; der
Adler mit dem dreifachen "Weh" stürzt herab; zwei Händewerfen
den brennenden Berg ins Meer; der Stern Wermut fällt auf einen Brunnen. |
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Die vier Euphratengel
Blatt 7 |
Die Euphratengel erschlagen die Bösen beim
Ton der sechsten Posaune; die feuerspeienden Pferde erscheinen. |
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Johannes verschlingt das Buch
Blatt 8 |
Der Starke Engel reicht Johannes das Büchlein
zum Essen. |
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Das Sonnenweib und der siebenköpfige Drache
Blatt 9 |
Das Sonnenweib und der Drache; das Kind wird
zum Thron getragen; die Erde verschluckt das vom Drachen ausgespiene
Wasser; der Drachenschwanz fegt die Sterne vom Himmel. |
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Michaels Kampf mit dem Drachen
Blatt 10 |
Michael und drei von seinen Engeln vertreiben
den Drachen und dessen Rotte aus den Himmeln. |
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Der siebenköpfige Drache und das Tier mit den Lammshörnern
Blatt 11 |
Der Herr mit der Sichel für die Ernte;
Anbetung der Bestien aus der erde und dem Meer. |
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Der Lobgesang der Auserwählten
Blatt 12 |
Die Große Schar mit Palmzweigen vor dem Thron
des Lammes; der Älteste erklärt Johannes die Szene. |
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Die babylonische Hure
Blatt 13 |
Die Große Hure auf der Bestie wird von den
Verführten angestaunt; der Mühlstein wird ins Meer geworfen; Babylon
steht in Flammen, und zwischen den Wolken erscheint der Reiter mit seiner
Gefolgschaft auf den weißen Pferden. |
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Der Engel mit dem Schlüssel zum Abgrund
Blatt 14 |
Satan wird im Abgrund eingeschlossen; der
Engel zeigt Johannes die himmlische Stadt. |
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